Objekt des Monats Oktober 2011
Die Schiebekasten-Daguerreotypiekamera © C. Kirchner / SDTB
Die älteste deutsche Kamera – eine Spurensuche
Das Objekt des Monats ist vermutlich die älteste in Deutschland hergestellte Fotokamera. Das Deutsche Technikmuseum erwarb diese Schiebekasten-Daguerreotypiekamera im Jahre 1992. Das Objektiv trägt die Gravur "Geiger Stuttgart N°. 315".
Nachforschungen haben viele spannende Details zur Geschichte dieses Apparats zutage gefördert. Das Berliner Rathgen-Forschungslabor bestätigte die Echtheit und taxierte die Herstellungszeit auf das frühe bis mittlere 19. Jahrhundert. Der Weg der Kamera lässt sich nur bis 1986 zu einem dänischen Händler zurückverfolgen, dann verlieren sich die Spuren.
Der Hersteller Geiger – ein Pionier des Kamerabaus
Carl Christoph Friedrich Geiger (1811 – 1892), der Hersteller der Kamera, betrieb in Stuttgart seit 1832 eine Mechaniker- und Optikerwerkstatt. Im September 1839 veröffentlichte er eine erste Verkaufsanzeige. Sein Inserat erschien in der deutschen Übersetzung der französischen Erstausgabe zur "Daguerreotypie", dem ersten fotografischen Verfahren. Dessen Autor Louis Jaques Mandé Daguerre (1787 – 1851) wurde damit zum Erfinder der Fotografie. Zur gleichen Zeit stellte Geiger bereits seine ersten Daguerreotypien aus und begann damit, Kameras zum Verkauf anzubieten. Noch 1844 zeigte er seine Apparate auf der Berliner Gewerbeausstellung. Geiger gehört damit zu den Pionieren des Kamerabaus im deutschen Sprachgebiet.
Da bisher kein anderes in der Literatur beschriebenes Gerät aus dieser frühen Produktionszeit aufgetaucht ist, dürfte das Deutsche Technikmuseum damit zurzeit den ältesten noch vorhandenen deutschen Fotoapparat besitzen.
